Montag, 17. Juli 2017

Nachbereitung

Als Einstieg in die Nachbereitung unserer Reise bieten sich zunächst einige visuelle und musikalische Eindrücke an. Hier sind sie:



Ein zusammenfassender Reisbericht findet sich hier und hier (als pdf).

So schön das Land und die Eindrücke sind, so schwierig und kontrovers ist es auch. Das zeigte nicht nur der Film "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa", der schließlich am 21. Juni in der ARD und kurz darauf auch auf ARTE gezeigt wurde, sondern auch manche Reaktion im Bekanntenkreis von Reiseteilnehmern deren "Freunde, mit denen ich meine auf der Israelreise gemachten Erfahrungen teilen wollte, diese nicht einmal anhören wollten, sondern direkt mit der Anklage wegen Israels Siedlungspolitik reagierten und sogleich konstatierten, das sei eine sehr einseitige Information gewesen, die wir bekommen hätten. Allerdings kam ich über 2 Sätze nicht hinaus. Also, ich musste feststellen, dass ein großteil meiner Freunde, alle sehr gebildet, nicht bereit waren, eine korrigierende Sichtweise auch nur anzuhören. Mir war nicht bewusst, wie sehr gisela Dachs mit ihrere Einschätzung der israelkritischen und -feindlichen- Haltung in Deutschland richtig lag, wenn ich mal die Reaktionen meiner Freunde verallgemeinere."

In der Tat zeigt auch die Diskussion um den Film ein sehr differenziertes Bild und die Notwendigkeit, bevor man urteilt, sich die Zeit für eine umfassende Information zu nehmen. Der Film und die Diskussion bei Maischberger sind noch online, z.B. auf Youtube. Hier einige kontroverse Artikel, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Carolin Fetscher im Tagesspiegel am 22. Juni 2017

Patrick Bahners in der  FAZ am  23. Juni 2017

Replik von Michael Wuliger in der Jüdischen Allgemeine vom 29. Juni 2017

Und jetzt könnte man sich natürlich noch die "Neuen Historiker" und ihre Kritiker näher ansehen, aber dazu braucht es ein "Forschungssemester" oder den entsprechenden langen Atem. Falls die Reise das Interesse dazu bei dem einen oder anderen ausgelöst hat beim Thema Israel noch einmal genauer hinzuschauen, dann hat sie sich doppelt gelohnt.

Auch bei vergangenen Reisen gab es Kontroversen, so

2010 die Flotilla-Affäre (mit einem orgiellen Video) und

2014 im direkt anschließend folgenden Gaza-Krieg Protective Edge die Beschäftigung mit Shlomo Sand und der Frage Was ist Antisemitismus? Kurzantwort: Wenn auf eines der drei Ds zurück gegriffen wird, liegt der Verdacht nahe dass es sich um Antisemitismus handelt:
Delegitimation (Man streitet Israel das Existenzrecht ab)
Dämonisierung (Man weist alle Kritik nur einseitig Israel zu)
Doppelstandards (Man beurteilt Israel nach anderen Maßstäben als andere Länder)


Samstag, 17. Juni 2017

Abschied: Shalom - Chaverim - Lehitraot

Drei Begriffe, drei Geschichten, so Tati in Tiberias. Hier für's erste die Bedeutung: Shalom, eigentlich ganz, Chaverim Freudne udn Lehitraot Auf iedersehen.

Wir fahren heute auf dem Weg zum Ben Gurion Flughafen noch in der im 19. Jahrhundert von württembergischen Pietisten errichteten Templerstadt -heute ein Stadtviertel Tel Avivs- vorbei. Die Templer waren -wie wir aus der Veranstaltung von Dr. Eisler beim Freundeskreis wissen- ein Vorbild für die ersten Imigranten in der Art wie sie die westliche Lebensweise in den Orient übertragen haben. In den 30er jahren waren einige für die NS-Ideologie anfällig und wurden von den Briten nach Asutralien deportiert. (Heute findet man alles im Internet).

Anschließend heißt es für uns Abschied nehmen und wir fahren zum Flughafen. Aber bereits am kommenden Dienstag spricht im Landratsamt Karlsrue zu uns Prof. Dr. Brenner zum Thema

Israel Traum und Wirklichkeit. Bis dann.








Tel Aviv: Strand - Bauhaus -Lebensfreude

Der Morgen beginnt gut, harmonisch, Ton in Ton.
Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass wir zwar zeitlich von der Gründerzeit ins moderne Tel Aviv gewechselt sind (siehe Vortag), hotelstandardmäßig aber einige Elemente aus zu Ben Gurions Zeit in Sde Boker hier ehalten sind, z.B. die Badewannen. Das ficht uns aber nicht an, denn wir haben andere Prioritäten. Die Stimmung ist bestens, harmonisch, Ton in Ton mit individuellen Varianzen.
Tel Aviv, die weiße Stadt, gegründet 1909, haben einige bereits gestern Abend erkundet, am Strand nach rechts (Norden) zum neuen Hafen, nach links (Süden) Richtung Jaffa oder vom Hotel die Ben Yehuda Straße entlang zum Rothschild Boulevard. Alles in 20 bis 30 Minuten erreichbar. Heute nimmt uns Tati "an der Hand" auf eine gezielte Führung mit, zunächst am Strand entlang Richtung Süden, wo wir an der ehemaligen Diskothek Delphinarium vorbei kommen. Hier kamen 2001 bei einem Terrorselbstmordanschlag der Hamas im Rahmen der zweiten Intifada 21 Personen, darunter 16 Jugendliche vorwiegend russische Immigranten, ums Leben. Dieser Terroranschlag und andere im Rahmen der zweiten Intifada, haben die jüdische und arabische Bevölkerungsgruppe weiter entfremdet und Misstrauen gesäht (siehe Wikipedia). Er gab mit den Anlass zum Bau der Absperrungsanlage zum Westjordanland.
Das Dolphinarium - die Diskothek in der 2001 21 Menschen ums Leben kamen.
Die Fahrradstadt
Wir biegen ab nach Osten und kommen nach Neve Zedek, dem historischen Kern von Tel Aviv. Besonders deutlich wird dort der Einfluss deutscher Juden bei der Gründung. In den Wandgemälden kommen viele deutsche Ausdrücke vor. Auch später, in den 30er Jahren, beeinflussten deutsche Architekten, aus Deutschland vertrieben, mit ihrem Dessauer Bauhausstil das Bild der Stadt, die deshalb heute zum Weltkulturerbe zählt.  Heute ist Neve Zedek ein besonders teures Wohnviertel mit vielen Restaurants und Geschäften. Wer hier neu bauen will, kann dies tun, indem er eines der alten Gebäude aufwändig restauriert. So findet man Historie und Hochhäuser ganz dicht beieinander. Übrigens auch viele Stationen für Leihfahräder. Tel Aviv ist eine Fahrradstadt, seit neuestem (das letzte Mal waren wir 2014 hier) mit E-Bikes, höherer Geschwindigkeit und speziellen Fahrradspuren. Tel Aviv ist aber auch eine Hunde- und Kinderstadt.
Die Hundestadt
Man trifft überdurchschnittlich viele Menschen mit zwei und mehr Hunden. Außerdem haben israelische junge Familien -trotz der Situation- viele Kinder und zwar, je besser gestellt von Einkommen und Bildung her, desto mehr. Während der Woche (heute ist Sabbath) gibt es professionelle Gassi-Geher, die fünf und mehr Hunde ausführen. Das gibt es im arabisch-orientalischen aber auch traditionell jüdischen Raum nicht. Dort ist der Hund ein unreines Tier. Der Hand zum Hund zeigt Verwestlichung, Lebensfreude und einen eigenen Ordungssinn. Im Gegensatz zu Deustchland hat man hier Hunde UND Kinder, meint Tati. Wir sprechen mit einer jungen Familie, die mit Kinderwagen und zwei Hunden auf dem Hundespielplatz (dog park) direkt neben dem Kinderspielplatz sind. Konflikte zwischen Hundespielplatz- und Kinderspielplatzbenutzern scheint es keine zu geben. Unsere Familie wundert sich zunächst über unsere Aufmerksamkeit und so kommen wir ins Gespräch. "Hier ist es prima, endlich können die Hunde mit anderen Hunden spielen. (Es sind ungefährt 10-15 Hunde im eingezäunten, beschatteten Bereich). Wo geht das schon außerhalb der Hundespielplätze (von denen es offenbar viele gibt). Es ist toll, den Hunden zuzuschauen. Sie entwickeln einen besonderen Schutzinstinkt für das Kind." Dasselbige liegt unbekümmert im Kinderwagen, während der Vater den Hund an der Trinkwassersäule tränkt. Ich höre hier schon die hygienischen und anderen (nicht Tel Aviver) Vorbehalte. Und in der Tat ist dies eine -bei uns- ungewöhnliche Mischung.
Die Kinder- und Hundestadt mit Lebensfreude
Wir gehen weiter den Rothschild Boulevard entlang zu dem Gebäude, wo Ben Gurion 1948 die Unabhängigkeit Israels ausgerufen hat, die trotz UN-Beschluss zum ersten Krieg des jungen Staates gegen die arabischen Nachbarn geführt hat. Die Gruppe der Neuen Historiker (Heute bekommen Sie alles im Internet!)in Israel nehmen hier auch die Rolle Israels sehr kritisch unter die Lupe. Dabei geht es auch um die Frage Flucht der arabischen Bevölkerung (auf Anraten arabischer Führer) oder Vertreibung (durch israelische  Truppen). Immerhin sind ca 1 Million Araber nicht geflohen, heute Staatsbürger und stellen ca. 20% der israelischen Bevölkerung dar.
Ort der Unabhängigkeitserklärung
Alt- und Neubestand
Die Shenkinstraße entlang, wo es noch hippere Geschäfte und Restaurants gibt, gehen wir zurück, einige zum Ausruhen ins Hotel andere zum Baden an den Stand oder zur Erkundung des Stadtzentrums um das Diezengoff Center oder den Rabin-Platz, wo dieser 1995 ermordet wurde, herum. Mit dem Besuch des von Frau Elrond-Gross empfohlenen Joseph Bau House Museums hat es dieses Mal  wegen des Sabbath leider nicht geklappt. Frau Elrond-Gross hat im übrigen auch das Museum für Frauenrechte in Dallas, Texas, sehr empfohlen. So wie ich sie kennen gelernt habe, könnte es sich lohnen. Und: "Im Internet kriegen Sie heute alles."

Abends besucht uns die frühere Zeit-Korrespondentin, heute freie Mitarbeiterin verschiedener europäischer Zeitungen und Dozentin an der Hebräischen Universität in Jerusalem, außerdem Autorin von Israel kurzgesfasset und dem Länderbericht erschienen bei der Bundeszentrale für politische Bildung  Gisela Dachs zu einem Gespräch über die Situation in Israel und die Problematik des Israelbildes in Deutschland. Es geht auch um den Besuch des Außenministers Sigmar Gabriel in Israel, die rolle von Donald Trump und, last but not least, um die Hunde- und Geburtenrate, die wir am Vormittag festgestellt hatten. Außerdem stößt eine Volontärin aus Wössingen bei Bretten, die in Holon im Krankenhaus arbeitet sowie mehrere israelische Freunde aus früheren Schulkontakten sowie Aktivitäten des Kultusministeriums zu uns. Es wird ein Abend voller Informationen und Austausch. Mindestens zwei Vortragsabende des Freundeskreises werden angebahnt.

Im Zusammenhang mit dem Gabriel-Besuch verwies Frau Dachs auf einen relevanten FAZ-Artikel, den wir googeln wollten ("Sie finden heute alles im Internet."). Dies könnte er sein:

FAZ-Artikel 1  "Streit mit Netanjahu undiplomatisch;  außerdem ist interessant:

Cicero     "Eklat zu beiderseitigem Vorteil"

FAZ-Artikel 2  Netanjahu sagt Treffen ab

Gisela Dachs zweite von links

Unsere israelischen Gäste die vier Personen rechts von hinten

Weitere Eindrücke des Tages:
Neve Zedek - Ursprung Tel Avivs



Die Bauhausstadt

Altneuland - vom Gründermythos ins moderne Tel Aviv


Ein langer Tag mit vielen verschiedenen Eindrücken begann mit der Fahrt von En Gedi nach Sde Boker, dem Wüstenkibbuz in der Negevwüste, in den der Staatsgründer David Ben Gurion sich nach seiner
aktiven Politikerzeit zurückzog. Im sozialistischen Kibbuz befürchtete man allerdings ein Mitglied, das möglicherweise gleicher war als die anderen und man nahm Ben Gurion nur mit einer Stimme Mehrheit als neues Mitglied an. Heute funktionieren nur noch ca. 20 Kibbuzim nach dem Prinzip "Jeder tut was er kann und bekommt was er braucht." Alle übrigen wurden mehr ode weniger privatisiert. Dennoch besteht nach wie vor ein enger Zusammenhalt wie wir am Nachmittag in unserer Partnerregion Sha'arHanegev erfahren sollten. Doch zunächst zu Ben Gurion, der als Anhänger des Yoga kein Problem mit einem Kopfstand hatte und für täglich lange Märsche bekannt war. Er lebte im Kibbuz sehr bescheiden und wurde 87 Jahre alt. In zwei Animationen wurde sein Werdegang von der Geburt als David Grien in Rußland bis zu seinem Tod geschildert. Ein Video zeigte seine Führungsqualitäten in Dilemmasituationen, so bei mutigen militärischen Entscheidungen im Krieg nach der Staatsgründung 1948 oder bei der Frage nach der Aushandlung der Reparationen mit Deutschland. Die Gedenkstätte war auch gut von jungen Soldatinnen und ihren Ausbildern besucht. Natürlich hat der Autodidakt Ben Gurion für sie eine Vorbildfunktion auch wenn die Jugend heute eher nicht im Kubuz leben möchte.
Ben Gurion beim Kopfstand
Das Schlafzimmer Ben Gurions
Auf dem Weg durch die Wüste kommen wir auch an der Stadt Dimona vorbei, wo der einzige Kernreaktor Israels steht. Israel verfügt inoffiziell über Atomwaffen, die durch eine Zweitschlagmöglichkeit über eine erhebliche Abschreckungskraft verfügen, andererseits aber auch ein Anreiz für andere Staaten der Region sein können, selbst Atomwaffen zu erwerben. Existentielle Fragen, auf die es keine einfachen Lösungen gibt.

Weiteren existentiellen Fragen begegnen wir am Nachmittag in unserer Partnerregion Sha'arHanegev, wo wir vom stellvertretenden Landrat, Odet Plut und Jael sehr freundlich empfangen werden. Nach der Führung durch eine rehabilitationszentrum sowie das Sapir College mit Schule und Fachhochschule und 8000 Studierenden, begleitet uns Jael zum Kibbuz Nahal Oz. Sha'arHanegev besteht aus 10 Kibbuzim und einem Moshav (Kibbuz mit Einzeleigentümern) mit ca. 8000 Einwohnern. Nahal Oz liegt mit ca. 400 Einwohnern in 800 m Entfernung vom Gazastreifen. Die dortigen Häuser sind vom Kibbuzzaun erkennbar. Nahal Oz produziert Weizen, Gemüse, Avocados und hat eine Kuh- und Hühnerfarm.Viele Bewohner abeiten aber auch als Lehrer im College oder in Tel Aviv oder BeerSheva im dortigen Silicon Valley in der High Tech Industrie. Nun stößt Tami Halevi zur jugendlichen Jael und nach einer Besichtigungstour am Kibuzzaun begeben wir uns in einen Bunker, wo die beiden Frauen die Geschichte ihrer Generation erzählen. Jael
Tami in der Mitte
schildert die Lage wärend des gaza-Krieges Protective Edge im Jahre 2014, der drei Wochen andauerte. Während dieser drei Wochen lebte sie mit ihren drei Kindern bei der Schwester in der Nähe von Tel Aviv. Als man fälschlicherweise glaubte, der Krieg sei zu Ende kamen einige Familien zurück, aber die Rakenabgriffe gingen weiter und ein vierjähriger Junge kam um. Das hat alle Bewohner sehr schockiert. Und das Kibbuz verlor 14 Familien und 100 Beweohner, etwa ein Viertel der früheren Einwohnerschaft. Jael und die Kinder mussten sich in therapeutische Behandlung begeben.. Man ist sich durchaus bewusst, dass es den Menschen auf der anderen seite der Grenze genauso geht. Auch dort leben Familien mit Kindern, mit denen man in den 70er und 80er Jahren gut zusammengearbeitet hat. Viele kamen als Feld- und Bauarbeiter und verdienten ihr Geld in Israel. Auch das Land auf dem die Kibbuzim liegen war nie umstritten. Es sind keine Siedlungen. Durch die Radikalisierung im Gazastreifen und die Machtübernahme der Hamas sind die Menschen auf der anderen Seite selbst einem terroristischen Regime ausgeliefert, das sie benutzt und opfert. So schießt die Hamas Raketen niemals von eigenem Gelände ab, sondern benutzt dafür Privathäuser, deren Bewohner sich nicht wehren können. Gemeinsame Programme für Kinder werden von Hamas nicht zugelassen.
Odet Plut (rechts) begrüßt die Gäste aus Karlsruhe
 
Während Jael mit ihrer Familie das Kibuz verlies, wollte die alte Generation  wie Tami nicht weg und blieb. Tami kam mit ihren Eltern im Alter von vier jahren nach Israel. Ihre Vorfahren stammen auch aus Bruchsal. Sie selbst kam als Soldatin nach Nahal Oz und blieb. Sie arbeitete viele Jahre als Lehrerin im College und kümmert sich jetzt ehrenamltlich um die Altenarbeit. Sie schildert wie die unterschiedliche Verhaltensweise während des Gazakrieges einen Riss in die Gemeisnchaft brachte, der nur langsam heilt. Außerdem droht das Kibbuz zu überaltern, sodass man auf verschiedenen Wegen versucht junge Menschen zu gewinnen. Man bietet die beste Ausbildung mit besonderen Bedingungen und es gibt ein Programm für einen Freiwilligendienst vor der Armee. Jael möchte uns sagen, dass sie nicht aufgibt und trotz allem optimistisch bleibt. Sie selbst ist im Kibbuz geboren und nach dem Studium hierher zurück gekehrt. Für Jael wird es jetzt Zeit, sich und die Familie für den Sabbat vorzubereiten. Man ist sozialistisch-säkular und so geht es ins Schwimmbad. Tami zeigt und noch die Bunkerunterstände, die über das gesamte Kibbuz  verteilt sind. Während man im wenige Kilometer entfernten Sapir College in Sederot bei Alarm 15 Sekunden hat, um sich in einem Bunker in Sicherheit zu bringen, sind es in Nahal Oz noch weniger. Ein Ballon überwacht ständig die Häuser auf der Gazaseite. Wir wünschen uns Shabat Shalom und fahren weiter über Jaffa nach Tel Aviv.
Nahal Oz, 800 m vom Gazastreifen

Blick auf Gaza- Früher fanden die Bewohner auf den Feldern Arbeit

Gespräch mit Jael und Tami in den Bunkerräumen

vrnl Jael, Tami, Herr und Frau Schmitt aus Bruchsal bei der Geschenkübergabe
Zum Abendessen kommt Frau Elrond-Gross auf Einladung von Inge Schmidt aus Heidelsheim zu uns. Frau Elrond-Gross wurde in Karlsruhe geboren und ihr Vater, der Zionist war, nahm den Erfolg Hitlers bei den Reichstagswahlen 1933 zum Anlass nach Palästina auszuwandern. Sie klagt nicht, sondern schildert, welche Möglichkeiten er hatte beim Aufbau des landes mitzuwirken. Selbstverständlich bewegt sich Frau Elrond-Gross mit 89 Jahren noch im Internet. Sie sit optimistin und Mitglied bei den Soropimisten, einer Frauengruppe ähnlich den Rotariern. Solange sie noch konnte besuchte sie regelmäßig Deutschland. Sie brachte uns zei Bücher aus der Biblithek der eltern mit, in denen die Korrespondenz des badischen Großherzogs mit theodor Herzl dokumentiert ist und lädt und zu einem Museumsbesuch für den nächsten Tag ein: Joseph Bau Haus. Sie wird veranlassen, dass das Museum speziell für uns geöffnet wird.. Eine Begegnung der ganz besonderen Art.
Frau Elrond-Groß (rechts) und Frau Schmidt

Übergabe der Bücher mit dem Schriftverkehr

Der Abend klingt aus mit einem Spaziergang am Strand durch das Tel Aviver Nachtleben am Sabbathbeginn.
 
Vor der Skyline Tel Avivs

Tel Aviv vom Deborah Hotel



Nachtleben am Strand


Donnerstag, 15. Juni 2017

Entspannung - Verschönung - Verjüngung

... ist das Motto des Tages. Im Oasen-Kibbuz En Gedi, das bereits wieder auf israelischem Kerngebiet liegt, nutzen wir alle Möglichkeiten, um uns für die letzten Etappen der Reise (Partnerregion Sha'arHanegev am Gaza-Streifen und Tel Aviv) vorzubereiten.

Blick auf due judäischen Berge vom Kibbuzgelände
En Gedi liegt am Absturz der judäischen Berge in das Jordantal am Ufer des Toten Meeres, praktisch in einer Regenschattenwüste. Alle Wolken regnen sich in jerusalem oder Hebron, das nur 30 km Luftlinie entfernt ist aus. Hier kommt nichts an, wenn nicht eine Quelle die Wüste hier zur Oase machen würde. Der Kibbuz produziert Mineralwasser, betreibt einne botanischen Garten -in dem wir wohnen- und bietet zur Entspannung, Verschönung, Verjüngung, aber auch für Menschen mit Hautkrankheiten ein Spa (Heilbad) am Toten Meer. Hier kann man im Salzwasser (30%) baden, sich mit Mineralschlamm einschmieren und mit den Salzkristallen am Ufer ein Salzpeeling durchführen.


Auf dem Weg vom Shuttle mit Traktor zum Meeresstrand
Dunkle Gestalten

Wir schweben im Wasser
Wüsten-Gemse
Früh morgens um 8 Uhr, solange es noch erträgliche Temperaturen gibt, macht sich die Gruppe auf zu einer Wüstenwanderung durch das Wadi David zu einem Wasserfall, der aufgrund geologischer gegebenheiten das ganze Jahr über regelmäßig schüttet. In der Regenzeit, dem Winter fließt hier das Wasser aus den judäischen bergen in Sturtzbächen ab und es kommt immer wieder zu Überschwemmungen. Tatsächlich ertrinken paradoxerweise mehr Menschen in der Wüste, die beim Wandern von einer Flutwelle überrascht werden, als auf dem Meer.


Die Karawane unterwegs in der Wüste




Nachmittag und Abend stehen zur Verfügung, um den Kibbuz zu erkunden, Spa und Swimming Pool des Kibbuz zu nutzen oder für eine "Schlafstunde". Wie uns Tati berichtet gehört dieses und andere deutsche Wörter wie Isolierband zum festen bestandteil der hebräischen Sprache und jeder kennt sie. Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, der in Jerusalem auf dem Herzl-Berg gegenüber von YadVashem begraben ist, wollte um 1900 Deutsch als Sprache des Judenstaates einführen. Auch über der Jiddische gibt es viele Verbindungen.
Das Kibbuz ist ein botanischer Garten


Hier wohnen wir

Mittwoch, 14. Juni 2017

Ma nischma? Wus hert sich? Was war los?


Unser Hotel in Tiberias - trotz Wolken bestes wetter
Was war heute los bei uns in Israel? Fehlalarm um 5.15. der Weckdienst ist aktiv und beschert uns eine längere Morgenmeditation bzw. ein zweites Auge Schlaf. Um 8 Uhr verlassen wir Tiberias Richtung Süden auf der Straße Nr. 90, die Israel auf der ganzen Länge  von Kiriat Schmona bis Eilat durchmisst. Schon recht
bald kommen wir an einem Check-Point vorbei in die Palästinensiche Autonomie, Gebiet C, d.h. die Straße ist unter israelischer Kontrolle. Da es Dattel-Kaufwünsche gibt ,zweigen wir nach ca. eineinhalbstündiger Fahrt kurzerhand nach Jericho ab, ins A Gebiet (volle palästinensische Verwaltung) und verlassen Jericho nicht ohne dort für den entsprechenden Umsatz gesorgt zu gaben.

Bevor wir unsere nächste Station, eine der beiden Taufstellen Jesu nördlich des Toten Meeres, erreichen, differenziert Tati das Bild von "dem Siedler". Den Siedler gibt es nämlich nicht. Es gibt einerseits Siedlungen wie das Kibbuz Qualyia am Nordufer des Toten Meeres, das noch vor der britischen Mandatszeit, also vor 1918 gegründet wurde. Die Bewohner wurden 1948 bei der Übernahme durch die Jordanienr vertrieben wie viele Tausende von Juden der arabischen Länder. Sie konnten nach dem Sechstagekrieg 1967 wieder zurückkehren. Dann gibt es Siedler  in den Siedlungen um Jerusalem, die dort hinkommen wegen den günstigen Bedingungen und der Subvention durch die Regierung. Außerdem gibt es Siedler, die illegal Hügel besetzen und diese Ansiedlungen schleichend vergrößern. Ein Beispiel ist Amona, das vor wenigen Wochen auf Urtaeil des Obersten Gerichtshofes von der Polizei geräumt wurden. einige dieser Siedler greifen auch zu Gewaltmaßnahmen (z.B. Preisschildaktionen) und bringen die anderen und den Staat insgesamt in Verruf. Sie sind diejenigen, die am meisten in den Medien dominieren. Sie sind aber bei weiem nicht die Mehrheit. Für einen zuverlässigen Frieden, so Tati, würden letztlich selbst die Golan-Höhen
Das Zentrum von Jericho
geräumt. Die Erfahrungen die mit dem Abzug aus dem Südlibanon und dem Gaza-Streifen gemacht wurden, gehen aber nicht in diese Richtung. Im Augenblick gibt es einen Konflikt zwischen der Autonomiebehörde und der im Gazastreifen regierenden hams um Elektrizitätslieferungen, sodass die Menschen im gazastreifen oft nur für weniger stunden Strom haben. Trotz allen Schwierigkeiten sieht israel in der Hamas im Gazastreifen noch das kleinere Übel im Vergleich zu einem Chaos wie im syrischen Bürgerkrieg.

Wir fahren weiter zum Quasr al Jahud, wörtlich der Überquerungsstelle der Juden, wo also die Juden nach dem Tod Moses und ihrer 40-jährigen Wüstenwanderung den Jordan überquert haben um die Stadt Jericho einzunehmen. später wurde diese stelle auch als Taufstelle Jesu verehrt und ist wahrscheinlich authetischer als die Stelle kurz unterhalb des Austritts des Jordan aus dem See Genezareth, die wir aus dem Bus gesehen hatten. Während unserer Besichtigung gab es mehrere Taufgruppen.

Die Felsenfestung Mazada ragt 400 m aus dem Jordantal auf
Nun fahren wir am Kibbuz En Gedi, wo unsere Übernachtung für die nächsten zwei Tage sein wird, vorbei nach Mazada, jene Felsenfestung des Königs Herodes auf der die Makkabäer den Römern trotzen und dann, kurz vor der Eroberung den Freitod der Sklaverei vorzogen. Das alles ist historisch recht gut belegt bis hin zu den 10 Losen auf Keramikscherben (Ostraka), mit denen die 10 Männer gelost wurden, die die übrigen töten mussten. Der Mazada-Mythos wird heute auch politisch genutzt. Der Blick von oben auf die judäischen Berge und das Jordantal ist phantastisch, die Hitze, obwohl trocken, gewöhnungsbedürftig. Wir freuen uns auf den Swimming Pool des Kibbuz und das gemütliche Beisammensitzen am Abend. Hier weitere Eindrücke des Tages:

Berg der Versuchung in Jericho

Szene in Jericho - vor dem Shopping - das Kamel ist noch leer.

Shopping - Shopping -Shopping: wichtig für Wirtschaft und Frieden

Tati bei der Vogelfütterung auf Mazada

Die Karawane zieht weiter (auf Mazada)

Blick ins Jordantal

In En Gedi Botanical Garden angekommen